Unternehmensberatung und Frauen – passt das zusammen?

Attraktiv ist sie, die Beratungsbranche – aber nicht nur für Stake- und Shareholder, sondern ganz besonders für Hochschulabsolventen: Die Beratungsbranche hat sich in sehr kurzer Zeit zu einem der attraktivsten Arbeitgeber für High Potentials entwickelt. Sie ist sogar die meist genannte Wunschbranche der BWL-Hochschulabsolventen. Nahezu jeder zweite von ihnen sieht in der Unternehmens­beratung den idealen Karriereeinstieg. Eine Abwechslungsreiche, herausfordernde Tätigkeit, gutes Arbeitsklima, selbstständiges Arbeiten, hervorragende Weiterbildungsmöglichkeiten und gute Bezahlung werden mit dem Berufsbild des Beraters in Verbindung gebracht.

Für den Hochschulabsolventen ist dieser Berufseinstieg ideal, weil er eine streng praxisorientierte Grundausbildung erhält und sich prinzipiell nicht gleich zu Beginn seines Berufslebens auf eine Branche oder auf einen Funktionsbereich festlegen muss. Die beraterische Grundausbildung erhält der Berufsanfänger in größeren Beratungsunternehmen schwerpunktmäßig durch Training-off-the-job-Maßnahmen, d. h. durch spezielle, nicht fakturierbare Aus- und Fortbildungsmaßnahmen, die teilweise in eigenen Trainingszentren oder Hochschulen („Corporate Universities“) durchgeführt werden. In kleineren Beratungsunternehmen erfolgt diese Grundausbildung zum Berater regelmäßig im Rahmen von Training-on-the-job-Maßnahmen.

Den offensichtlichen Vorzügen dieser Profession stehen als Nachteil außerordentlich hohe Anforderungen an Mobilität und Flexibilität gegenüber. Besonders im Fokus steht dabei eine Work-Life-Balance, die vor allem die weiblichen Berater vor hohe Herausforderungen stellt.

So ist es auch wenig verwunderlich, dass zwar auf dem Level des Beratungseinstiegs (Junior Berater) und vor allem in den Backoffices ein signifikanter Anteil weiblicher Arbeitskräfte zu finden ist. In den späteren Führungspositionen der Unternehmensberatungen sind dann aber kaum noch weibliche Manager vertreten sind. Konkret heißt das, lediglich vier von 100 Top-Managern (Partner bzw. Vice President) sind weiblich.

Der in der Abbildung dargestellte Anteil von Frauen im Consulting hat sich mit Blick auf die letzten Jahre und auf die unterschiedlichen Hierarchiestufen – auch angesichts der Diskussion um die Frauenquote – nicht gravierend verändert.

Es ist eine Tatsache, dass Frauen aus familiären Gründen häufiger Abstriche in Bezug auf den eigenen Beruf und die eigene Karriere machen als Männer. Besonders die High Potentials unter den weiblichen Arbeitnehmern werden immer wichtiger und damit begehrter für die Unternehmensberatungen. Um Frauen an das Unternehmen zu binden und besser zu integrieren, sollten Beratungsunternehmen neben einer familienfreundlichen Gestaltung der Arbeitszeiten gezielt auf die Förderung der Karriere von weiblichen Arbeitnehmern achten.

Besonders interessant ist die Erfahrung, dass Personalentwicklungsmaßnahmen, die gezielt auf Frauen und ihre vielfältigen Lebensmuster zugeschnitten sind, sich in aller Regel auch optimal für Männer erweisen. Das Personalentwicklungsmanagement darf und soll sich sogar an den Frauen orientieren, wenn sie für beide Geschlechter Gültigkeit haben sollen. Überhaupt kann durch geschlechtergemischte Fortbildungen die Zusammenarbeit von Frauen und Männern gefördert werden. Weibliche und männliche Teilnehmer können so voneinander lernen. Die Unterschiede in den Verhaltens- und Denkweisen können während einer solchen Maßnahme thematisiert und einander näher gebracht werden.

Es geht aber nicht nur darum, auf welche Personalentwicklungsmaßnahmen Frauen am besten ansprechen. Vielmehr sollten die Rahmenbedingungen so angepasst werden, dass mehr Frauen die Teilnahme an solchen Maßnahmen ermöglicht wird. So werden Weiterbildungen häufig nicht für Teilzeitstellen angeboten, obwohl gerade diese vielfach von Frauen besetzt sind. Fortbildungen, die weit entfernt vom Arbeitsplatz oder Wohnort durchgeführt werden oder gar eine Übernachtung erfordern, sind zumeist Ausschlusskriterien für berufstätige Mütter.

Gute, leistungsfähige weibliche Hochschulabsolventen und insbesondere die High Potentials unter ihnen sind heiß begehrt und stehen zunehmend im Fokus der Personalrecruiter. Beratungsunternehmen, die hier nicht nur die richtige Ansprache, sondern vor allem auch die richtigen Rahmenbedingungen nachhaltig vorweisen können, werden künftig über einen der wichtigsten Erfolgsfaktoren im Beratungsgeschäft verfügen.

(Weitere Informationen finden Sie in: „Grundlagen der Unternehmensberatung. Strukturen – Konzepte – Methoden“ und ist erhältlich bei http://www.springer.com/de/book/9783658128814)

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