Berater als Vordenker in eigener Sache

Wie Consultants die digitale Transformation für sich nutzen (wollen)

Der digitale Wandel ist nicht nur ein zentrales Beratungsthema bei den Kundenunternehmen, sondern er hat auch spürbare Auswirkungen auf die Consultingbranche selbst. Hier werden die Berater zum Vordenker in eigener Sache. Jeder Consultant muss sich fragen, ob die klassischen Geschäftsmodelle des „People Business“ noch weiter so funktionieren. Er muss sich fragen, was ein disruptiver Wettbewerber tun würde, wenn er im Beratungsmarkt Zeichen setzen wollte.

Motor des Wachstums für die Beratungsbranche sind schon seit Jahren nicht mehr die klassischen betriebswirtschaftlichen Themen der Strategieberatung. Es sind heute vornehmlich IT-orientierte Themen von Cloud Computing über Big Data/Analytics bis hin zur IT-Security. Früher haben sich Beratungsgesellschaften besonders stark durch ihr Image, ihre Reputation und das spezifische Wissen und die langjährige Erfahrung einzelner Berater positioniert. Heute relativieren sich diese Kriterien angesichts der besonderen Herausforderungen der Digitalisierung. Als Erfolgsfaktoren für Beratungsprojekte gewinnen digitale Kompetenzen wie „Technologie-Know-how“, „Digitale Beratungsangebote“ und „Softwaretools zur Erkennung von Zusammenhängen“ zunehmend an Bedeutung.

Die Berater sind also für ihre Kunden das Werkzeug zur Digitalisierung. Somit liegt die Frage nahe, warum das Werkzeug nicht selbst digitalisiert ist. Zwar können wir uns kaum Berater ohne Laptop, Tablet oder Smartphone und schon gar nicht ohne Powerpoint-Präsentation vorstellen. Aber dadurch hat sich die Ausführung von Beratungsleistungen bislang nicht grundlegend verändert. Auf dem Weg zur digitalen Beratung müssen letztendlich verschiedene Dimensionen unterschieden werden. Es geht um die Digitalisierung der Beratungsthemen, der Beratungsprozesse, des Beraterwissens, der Beratungsgeschäftsmodelle und sogar der Beratungsleistungen.

Da ist zunächst einmal die Digitalisierung der Beratungsthemen. Hier geht es für die Berater darum, die neuen Technologien (E-Business, Web 2.0, Industrie 4.0, Big Data etc.) für die Kundenunternehmen nutzbar zu machen und damit deren Wachstum und Effizienz zu steigern.

Mit einer Digitalisierung der Beratungsprozesse sollten Berater auch im eigenen Unternehmen für eine durchgängige Unterstützung der Geschäftsprozesse unter Einsatz moderner IT-Technologien sorgen. Viele Prozesse im Consulting könnten heute mit Hilfe von Apps deutlich effizienter und eleganter ablaufen, um wertvolle Beraterzeit einzusparen.

Der nächste Ansatzpunkt ist die Digitalisierung des Beraterwissens. Wissen ist eine der Hauptressourcen von Beratern. Allerdings wird Wissen immer mehr zu Commodity. Für die Unternehmensberatung stellt sich allerdings die Frage, ob die Wissensträger auch unbedingt im Unternehmen vorhanden sein müssen.

Die Digitalisierung der Beratungsgeschäftsmodelle reicht vom Modell der Peer2Peer-Beratung über die Arbeitsform des Freelance-Consulting bis hin zur Idee des Crowd-Consulting. Durch die Möglichkeiten der modernen IT können solche Netzwerke zu professionellen virtuellen Unternehmensberatungen heranreifen. Damit sind sie in Zukunft ein ernsthafter Wettbewerb zur klassischen Unternehmensberatung.

Auch für die Digitalisierung der Beratungsleistungen gibt es verschiedene Ausprägungen. Die Remote-Beratung als internet-basierte Kommunikation ermöglicht eine durchgängige Erreichbarkeit unabhängig von Zeit und Ort. Ein typisches Beispiel ist Video­conferencing.

Unabhängig davon, ob das Digitalisierungs-Know-how nun für den Einsatz beim Kundenunternehmen oder für den Eigenbedarf benötigt wird, der Kampf um die digitalen Beratungstalente ist in vollem Gange. Gefragt ist ein Berater-Typ, der es den Kundenunternehmen ermöglicht, digitale Lösungen zu einem angemessenen Preis-Leistungsverhältnis anzubieten. Gefragt ist aber auch ein Berater-Typ, der die Möglichkeiten der digitalen Transformation ebenso für die eigenen Themen, Prozesse und Geschäftsmodelle umsetzen und nutzbar machen kann.

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