Soziale Netzwerke – die Lust an der Selbstinszenierung

Eine großangelegte Befragung zum Nutzungsverhalten der Facebook-User in Deutschland hat ein beachtenswertes Ergebnis zu Tage gebracht. So hat das Marktforschungsinstitut Intertest (nicht zu verwechseln mit Infratest-Dimap) zwei große Motivationscluster bei den Facebook-Anhängern für das Mitmachen und den Verbleib im Netzwerk identifiziert.

Das erste Teil der Befragten hat Angst, die Zugehörigkeit zu einer Gruppe zu verlieren – einer Gruppe, der ja in aller Regel Familienangehörige, Freunde und Arbeitskollegen angehören. Dieser Teil macht knapp 45 Prozent aller Befragten aus.

Beim zweiten Cluster ist es die Lust an der Selbstinszenierung, die im Facebook-Netzwerk eine etwas kleinere Rolle einnimmt als die Kommunikation. Diese Gruppe hat einen Anteil von etwas weniger als 40 Prozent.

In der FAZ fasste der Psychologe Ernst Pöppel diese beiden Motivationscluster wie folgt zusammen: „Facebook ist eine Art Selbstprostitution, eine Offenlegung von Intimität ohne Verpflichtungen. Man öffnet sich nicht wirklich, will sich aber zeigen. Es ist gewissermaßen Selbstkommunikation – ein öffentliches Tagebuch, das nur so tut, als wäre es Kommunikation.“

Nun ist es allerdings so, dass Umfragen im Prestige- und Hygienebereich besonders sensibel angegangen werden müssen, da hier die Probanden in aller Regel zu Über- oder Untertreibungen neigen – kurzum: Die Befragten sagen nicht unbedingt die Wahrheit.

So werden nur sehr wenige Probanden zugeben, dass die Lust an der Selbstinszenierung für Sie der entscheidende Grund ist, sich dem Netzwerk anzuschließen bzw. bei diesem zu bleiben. Daher gehen die Markt- und Meinungsforscher solche sensiblen Bereiche häufig mit einer indirekten Fragestellung an. In diesem Fall wäre eine mögliche Fragestellung: „Sehen Sie es besonders gerne, wenn Ihre Netzwerkbeiträge sehr viele Likes bekommen?“ oder „Motivieren Sie besonders viele Likes dazu, weitere Beiträge/Posts zu schreiben?“

Der nächste Punkt, der sich an diese Überlegungen anschließt, ist die Frage, ob sich dieses Nutzungsverhalten auch auf berufliche Netzwerke übertragen lässt. Mit anderen Worten, gelten Angst vor Verlust der Gruppenzugehörigkeit und die Freude an der Selbstinszenierung auch für das Mitmachen und Verweilen bei LinkedIn oder Xing? Doch entscheiden Sie selbst, welches für Sie das entscheidende Motiv für Einstieg und Verbleib bei LinkedIn oder Xing war bzw. ist. Oder gibt es noch andere Motive?

Anmerkung des Verfassers: Die Statistik ist natürlich frei erfunden. Ähnlichkeiten mit dem Verhalten lebender Personen sind rein zufällig, aber gewollt.

1 Kommentar

  1. Ich denke, wenn sie diese Befragung in anderen Gruppen machen, wie Vereine, informelle Gruppen, Kirchen, Unternehmen…., dann gibt es keine große Diskrepanzen! Oder “…es gibt nichts Neues unter Sonne…” Prediger Salomo, AT, die Bibel.

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