Ist die Bologna-Reform gescheitert?

Vor 20 Jahren wurde die Bologna-Reform verabschiedet. Das zweistufige Bachelor-und Master-System ist der Kern der Reform. Ist das ein Grund zum Feiern oder wurden die Ziele verfehlt?

Drei Dinge wollte die Bologna-Reform erreichen:

Die Studienabschlüsse sollten europaweit vergleichbarer, die Studierenden international mobiler und die Abschlüsse auf den Bedarf der Wirtschaft abgestimmt werden.

Hierzu einige plakative Thesen:

  1. Die Zerschlagung des auch international anerkannten deutschen Bildungssystems hat zu einer Verschulung auf breiter Front geführt. 
  2. Bologna sah vor, dass der Bachelor für 90 Prozent aller Studierenden ausreichen sollte, heute reicht er nicht einmal mehr für 50 Prozent. Hauptleidtragende sind somit die fertigen Bachelor, die – um wettbewerbsfähig zu sein – zunehmend gezwungen sind, nun auch noch den Master draufzusatteln.
  3. Damit wurde das dritte Ziel verfehlt, denn der Wirtschaft lag sehr daran, die Studienzeit zu verkürzen und die Studierenden schneller für den Arbeitsmarkt fit zu machen.
  4. Zu den Nutznießern der Reform zählen vor allem die privaten Bildungsinstitute, die ihren Marktanteil beträchtlich ausweiten konnten. Größte Nutznießer und Reform-Gewinner sind aber die Akkreditierungsagenturen. Als außeruniversitäre Instanzen können sie der zweifelhaften Aufgabe nachgehen, einem möglichen Niveauverlust durch entsprechende Akkreditierungen vorzubeugen.
  5. Gewinner sind aber auch die deutschen Studierenden in ihrer Gesamtheit. Sie sind deutlich mobiler und internationaler als vor der Reform.
  6. Bei den ausländischen Studierenden wird Deutschland als Studienziel immer beliebter. Laut OECD-Statistik studieren nur in den USA und Großbritannien mehr ausländische Gaststudenten.

Welchen Thesen stimmen Sie zu? Wie sehen Ihre Erfahrungen mit Bologna aus?  Ist die Reform gescheitert oder sind wir auf einem guten Weg?

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