Unternehmensberatung und Ethik – passt das zusammen?

Die Beratungsbranche hat sich zu einem festen Bestandteil unserer Volkswirtschaft entwickelt. Während noch im vorigen Jahrhundert die Beauftragung von Unternehmensberatern häufig als ein Zeichen für das Versagen des Managements galt, ist die Zusammenarbeit mit Beratern längst zur alltäglichen Normalität geworden. Und trotzdem spricht die einschlägige Presse immer noch von „Beraterarmee“, wenn sie die Unternehmensberater globaler Consultingfirmen meint, die für unsere Bundesregierung tätig sind und denen sich der deutsche Staat „ausgeliefert“ sehen soll.

Dem Unternehmensberater haftet zuweilen immer noch etwas Dubioses, Windiges und gleichzeitig etwas Elitäres an. Das hat sicher damit zu tun, dass sich jeder – also auch jeder „Schuhputzer mit Visitenkarte“ – als Unternehmensberater bezeichnen kann. Als Consultant braucht man bloß – so scheint es vielen – ein wenig rhetorisches Geschick und selbstbewusstes Auftreten, um Geschäfte mit den Pro­blemen anderer zu machen. Gleichzeitig umgibt die renommierteren Consultingfirmen die Aura der Elite. Ihre Tagessätze und Gewinnmargen klingen wie von einem anderen Stern und ihre Mitarbeiter treten gelegentlich mit Allüren auf, die gestandenen Unternehmenslenkern allzu selbstbewusst und neunmalklug erscheinen, zumal viele der Consultants jung daherkommen und sehr theoretisch wirken. Schließlich sollte der Berater mindestens genauso gut rüberkommen, wie der, der beraten wird.

Ja, und dann gibt es noch die richtigen „Schwarzen Schafe“. Die ungeschützte Berufsbezeichnung des Titels „Unternehmensberater“ (oder „Betriebsberater“, „Wirtschaftsberater“ etc.) einerseits und die niedrigen Markteintrittsschranken andererseits führen immer wieder dazu, dass inkompetente und unseriöse Personen – eben „schwarze Schafe“ – im Beratungsmarkt akquirieren. Solche Täter in grauen Nadelstreifen haben dem Ruf des Unternehmensberaters durchaus geschadet, gleichwohl haben sie der Attraktivität der Branche keinen Abbruch getan. In den meisten Fällen konnten die laienhaften oder auch betrügerischen Vorgehensweisen von den Standesorganisationen hinlänglich dokumentiert werden, so dass eine eindeutige Identifizierung solcher schwarzen Schafe möglich wurde.

Es mag aber auch damit zu tun haben, dass es sich bei Beratungsleistungen um Kontraktgüter handelt. Bei Kontraktgütern liegen zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses die Leistungen noch nicht vor, d.h. das Kontraktgut existiert zum Zeitpunkt des Kaufes noch gar nicht. Die Vereinbarung über Leistung und Gegenleistung, die ja in der Zukunft liegen, erfolgt bei Kontraktgütern somit unter extrem großer Unsicherheit. Beratungsleistungen, die in geradezu idealtypischer Weise zu solchen Kontraktgüter gehören, erfordern daher von beiden Transaktionspartnern spezifische Investitionen und insbesondere Vertrauen.

Überdies sorgt die sog. „Enthüllungsliteratur“ in Form von Insider-Romanen dafür, dass hin und wieder zweifelhafte Methoden der Beratungsbranche in die breitere Öffentlichkeit geraten. Zusammen mit Berichten über gescheiterte Großprojekte mit involvierten namhaften Beratungsunternehmen wird auf diese Weise ein Negativbild einer „gesinnungslosen“ Beratungsindustrie gezeichnet, deren einziger Wert der eigene Profit zu sein scheint. Damit wird das moralische Dilemma deutlich, vor dem die Beratungsunternehmen stehen können: Da nicht nur ihre Kunden, sondern auch sie selber im Wettbewerb stehen, besteht die potentielle Gefahr, „gegen den Kunden“ zu beraten. Nicht das zu lösende Kundenproblem, sondern die eigene Umsatz- und Gewinnmaximierung kann dann leicht in den Vordergrund rücken. In einer solchen Situation, in der sich das ethisch verantwortungsvolle Handeln betriebswirtschaftlich nicht rechnet, aber in der sich Unternehmensethik überhaupt erst bewähren muss, kommt es für eine verantwortungsvolle und professionelle Beratungsbranche darauf an, sich nicht bloß opportunistisch zu verhalten, sondern sich an vorher reflektierten und festgeschriebenen Geschäftsprinzipien zu orientieren.

Dies hat der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater BDU als Branchenverband erkannt und – um „schwarze Schafe“ und „Trittbrettfahrer“ fernzuhalten – ethische Geschäftsprinzipien (BDU-Berufsgrundsätze) formuliert, die sich an Kriterien wie fachlicher Kompetenz, Seriosität, Objektivität, Neutralität, Vertraulichkeit und fairem Wettbewerb orientieren. Umso mehr sollten sich die Kundenunternehmen aufgefordert sehen, grundsätzlich nur Beratungsunternehmen zu beauftragen, die sich den BDU-Berufsgrundsätzen verpflichtet fühlen.

Schließlich bleibt die „anständigste Art der Geschäftsführung auch die beständigste“ (Robert Bosch).

Zu diesem scheinbaren “Beraterdilemma” siehe ausführlich die Grundlagen der Unternehmensberatung mit allen Quellenangaben ab Seite 94.

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