Warum das berufsbegleitende Studium so boomt

Seit Einführung der Bologna-Reform hat sich unsere Hochschullandschaft grundlegend verändert. So haben sich die nichtstaatlichen Universitäten seit 1990 nahezu verdoppelt und die Anzahl der privaten Fachhochschulen ist von 21 um mehr als das Fünffache auf 113 gestiegen. Ein Motor dieser Entwicklung ist die starke Nachfrage nach einem berufsbegleitenden Studium. Jedes Jahr wächst die Zahl derjenigen, die neben dem Beruf noch eine weitere Qualifikation erlangen möchten. So ist es kein Wunder, dass der weitaus größte Teil dieser über 100 Fachhochschulen ein berufsbegleitendes Studium anbieten. Inzwischen haben viele Universitäten und staatliche Fachhochschulen nachgezogen, so dass Interessenten an einem berufsbegleitenden Studium zwischen 1.700 akademischen Studiengängen in Deutschland auswählen können. Allein die FOM – mit über 57.000 Studierenden die größte Präsenzhochschule für das berufsbegleitende Studium – bietet 42 Bachelor-, Master- und MBA-Studiengänge an.

Soweit die reine Statistik über das Angebot an Studienplätzen. Doch was ist der Grund für diesen Run auf berufsbegleitende Studiengänge? Woher rührt die enorme Nachfrage, die dieses Angebot an Studienplätzen induziert hat?

Dazu einige erhellende Zahlen, die das Allensbacher Institut (2017 und 2020) geliefert hat:

  • Befragungen zur Folge haben in den letzten fünf Jahren konstant rund 15 Millionen Personen ein signifikantes Interesse an beruflicher Weiterbildung.
  • 30 Prozent aller Berufstätigen denken derzeit über einen Berufswechsel In der Altersklasse 25-34 sind dies sogar 46 Prozent und in der Altersklasse bis 24 Jahre sind es immerhin bereits 35 Prozent.

Die Wechselwilligkeit oder zumindest der Wunsch nach beruflicher Neupositionierung ist also vorhanden. Dem kommt entgegen, dass ein berufsbegleitendes Studium – gleich ob als Präsenzstudium oder als Fernstudium – außerhalb der regelmäßigen beruflichen Arbeitszeit stattfindet. Berufsbegleitende Lehrveranstaltungen konzentrieren sich auf die Abendstunden oder finden an Wochenenden oder im Selbststudium statt.

Hinzu kommt noch ein weiterer Gedanke: Viele Personen, die mit ihrer beruflichen Situation unzufrieden sind, müssen leidvoll erkennen, dass Qualifikation immer noch höher bewertet wird als bewiesene Kompetenz. Dabei geht Kompetenz – also die tatsächliche Handlungsfähigkeit – deutlich über Qualifikation hinaus. Während eine Qualifikation lediglich bestätigt, dass ein formal definiertes und – zumindest in der Theorie – objektives Lernziel (z.B. der Bachelor- oder Masterabschluss in Business Administration) erreicht wurde, bezieht sich eine Aussage über die Kompetenz darauf, welche Fähigkeiten eine Person tatsächlich besitzt. Kompetenzen schließen Wissen, Fertigkeiten und Qualifikationen ein (siehe Abbildung). Und genau das ist der Knackpunkt: Viele beruflich Unzufriedene, die ihre Kompetenz längst unter Beweis gestellt haben, werden von ihren Vorgesetzten dahingehend vertröstet, dass es zu ihrem beruflichen Fortkommen eben an der nachzuweisenden Qualifikation fehlt. Und genau diese gäbe es eben nur mit dem entsprechenden Bachelor- oder Masterabschluss. Fatales Fazit: Employabel bleiben heißt Qualifikation erwerben und nicht Kompetenz beweisen!

 

 

 

 

 

 

 

Kompetenzen schließen Wissen, Fertigkeiten und Qualifikationen ein

Schließlich noch ein Hinweis an die Adresse der Wechselwilligen: Nach einer Untersuchung des Allensbacher Instituts haben lediglich 32 Prozent aller Beschäftigten ihren Job auf einem Job-Portal hinterlegt. Und bei den Karriere- und Kontaktnetzwerken nutzen gerade mal 15 Prozent Xing und 9 Prozent LinkedIn. Xing kennt nicht einmal jeder vierte Berufstätige und LinkedIn nicht einmal jeder fünfte. Sich genau in diesen Netzwerken zu positionieren könnte für jeden, der eine Neupositionierung anstrebt, einen erheblichen Wettbewerbsvorsprung bedeuten. Schließlich gehen die einschlägigen Recruiter mehr und mehr dazu über, Active Sourcing zu betreiben.

Ausführliche Hintergrundinformationen und Quellen finden Sie hier:

  

 

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