Welche Bedeutung hat der ROPO-Effekt eigentlich (noch)?

Die Abkürzung ROPO steht ursprünglich für Research online, purchase offline, was so viel bedeutet wie: Im Netz über ein Produkt informieren, den Kauf jedoch im stationären Handel tätigen. Wiegesagt ursprünglich, denn angesichts der Horrorvorstellung vieler Einzelhändler über leere Einkaufspassagen, Ladensterben und trostlose Innenstädte kam es sehr schnell zur Umdeutung des ROPO-Effekts, nämlich in: Research offline, purchase online. Das heißt, viele Online-Käufer informieren sich zunächst in einem Ladengeschäft und erfahren die Produkte haptisch, um dann später im Internet den Einkauf zu tätigen.

Wie dann später die einschlägigen Statistiken gezeigt haben, halten sich beide Effekte nahezu die Waage. Das heißt, ebenso viele Menschen informieren sich beim Kauf von Schuhen und Mode bevorzugt im Internet, um dann aber lieber im Laden zu kaufen. Bemerkenswert ist also, dass das Internet für die eine Hälfte der Konsumenten die erste Anlaufstelle (und nicht der Abschluss) im Kaufprozess darstellt. Bei der anderen Hälfte ist es genau umgekehrt: Hier lassen sich die Kunden im stationären Handel beraten und informieren, aber kaufen letztendlich online.

Da der ROPO-Effekt – wie oben gezeigt – in beide Richtungen interpretierbar und damit doppeldeutig ist, gibt es die Empfehlung, bei Research online, purchase offline (also ROPO 1) besser von Web Rooming und bei Research offline, purchase online (also ROPO 2) lieber von Show Rooming zu sprechen.

Doch ganz gleich ob ROPO 1 oder ROPO 2 bzw. ob Web Rooming oder Show Rooming, das veränderte Kauf- und Mediennutzungsverhalten der letzten Jahre hat diese Begriffe längst obsolet gemacht. Warum?

Das Kaufverhalten vieler Kunden ist heutzutage dadurch geprägt, dass immer häufiger auch Smartphones während des Offline-Shoppings zum Einsatz kommen. Vor allem für Preisvergleiche wird kurz vor Ort das Handy herangezogen. Aber auch die Verfügbarkeit von Produkten und weiteren Größen in anderen Filialen oder Geschäften sowie deren Lokalisierung kann zum Teil bereits während des Offline-Einkaufs überprüft werden.

Durch die zügige Eroberung des Marktes durch Smartphones kommt es also immer häufiger zum sogenannten Medienbruch, dem Wechsel von online zu offline oder umgekehrt während des Entscheidungs- und Kaufprozesses.  Dadurch erhält der ROPO-Effekt eine neue zeitliche Dimension, nämlich nicht mehr nur die Hintereinanderschaltung, sondern die Gleichzeitigkeit der Nutzung von Online- und Offline-Angeboten durch die Kunden.

Mehr zum ROPO-Effekt lesen Sie hier:

1 Kommentar

  1. Lieber Prof. Lippold, was zählt ist die Befriedigung der Bedürfnisse des Kunden. Neid, Missgunst, Gier usw. beginnen obsolet zu werden bzw. einen zunehmend negativen Effekt zu generieren. Längst sind Kunden aufgeklärt genug, zu wissen wie sehr Marketing mit psychologischen Effekten auf höchstem Niveau spielt. Das durchschauen besonders die digital Natives sehr schnell. Umso wertvoller ist die persönliche Interaktion mit den Kundenbedürfnissen. Service Excellenz ist DAS Kundenbindungsinstrument der Zukunft, mehr den je. Meine persönliche Erfahrung ist wie folgt: Der kleine Fachhändler ( der mit der Schreibmaschine die Rechnung tippt!!!)bietet in Düsseldorf das beste Preis/Beratungs/Service-Verhältnis. Der kleine Radio-Fernsehr-Händler in Koblenz bietet das Beste Preis/Service/Beratungsverhältnis. Nicht nur von Mensch zu Mensch, weil das meine Passion ist, sondern ebenfalls von Preis-Leistungsverhältnis. Service Excellenz hat die Wurzeln im “Tante-Emma-Laden”, der Gastronomie und nach wie vor gilt: “Ohne intrinsische Motivation der Mitarbeiter machen nur die Augen des Herrn den Kohl fett!”. Nun ich denke meine Mathematik Lehrerin hatte Recht mit ihren Worten: “Wissenschaft sind ganz einfache Vorgänge so kompliziert erklärt, dass sie kein Mensch mehr versteht.” Einstein sprach: “Mach es so einfach wie möglich, aber nicht einfacher.” Hier scheint der Hase im Pfeffer zu liegen. Menschen sind eben im Miteinander nicht-triviale Systeme, da ist es ziemlich sinnbefreit mit rationalen, wissenschaftlichen Thesen steuern zu wollen. 🙂 Sie wissen um meine Wertschätzung.

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